Eine Reise ins Aosta Tal: Eisklettern in Cogne
Ende Februar – also schon zum Ende der Saison, fand unser Lehrgang zum Eisklettern in Cogne statt. Und obwohl schon extrem warme Temperaturen herrschten, konnten wir selbst bei diesen Bedingungen eine Menge Touren unternehmen, die wahrscheinlich von den Meisten schon abgeschrieben worden wären. Trotz milder Frühlingstemperaturen und teils über 10° Celsius in den Ortschaften, konnten wir mit Hilfe der Einschätzung und dem Know-How unserer Trainer zahlreiche Meter in bestem Eis sammeln!
Cogne ist ein kleiner Ort in der Region des Aosta Tals, dass sich süd-östlich des Mont Blanc in Italien befindet. Am besten zu erreichen von Deutschland über die Schweiz, durch den Tunnel des St. Bernhard Passes.
Zum Warmwerden im Eis bietet Cogne am Ortsausgang in Richtung Lillaz einen kleinen künstlichen Eis-Park: Erreichbar ist dieser über einen kleinen Pfad, der direkt von der Straße hinunter zum Fluss führt. Von hier ragen zahlreiche Routen etwa 20 Meter zur Straße empor. Der Park ist perfekt zur Vorbereitung und Auffrischen der Technik: Schrauben setzen, Abalakovs drehen, Schlagt- und Tritttechnik üben und so weiter und so fort… Gut gerüstet konnten wir so am zweiten Tag unseres Lehrgangs in die natürlichen Eisfälle starten.



Die meisten der über 150 Eiskletter-Routen befinden sich in den beiden Tälern von Valnontey und Lillaz. Beides sind Ortschaften, die sich am Beginn der Täler befinden und in ca. 15 Minuten von Cogne aus erreichbar sind. Beide Ortschaften bieten (teilweise gegen eine kleine Gebühr) ausreichend Parkmöglichkeiten. Es ist jedoch zu empfehlen früh am Tag aufzubrechen, da die Gegend auch bei Langläufern äußerst beliebt ist.
Die beiden Täler bei Valnontey und Lillaz sind nach Süden ausgerichtet und haben somit eine östliche und westliche Talseite. Die Fälle auf der östlichen Talseite erreicht die Sonne zuerst, weshalb es zu empfehlen ist, diese möglichst früh zu klettern.
Die auf den westlichen Talseiten gelegenen Fälle sind von der Sonneneinstrahlung nicht so früh betroffen. Spätestens gegen Mittag kommt die Sonne jedoch auch hier an. Mit am besten bei diesen warmen Bedingungen geeignet sind vor allem Gullys. Durch ihre gut geschützte Lage, werden sie von der Sonne kaum getroffen, wie beispielsweise das absolute Highlight Lillaz Gully (WI4): Die Route ist abwechslungsreich, führt durch einen engen Gully, bietet steiles Eis, ein langes, schwer absicherbares Schneefeld und zum Ausstieg eine kurze Mixed-Passage, die mit schottisch V bewertet wird. Auf der Rückseite des Lillaz Gullys kommen zusätzlich weitere Fälle, die sehr schöne Einseillängen-Routen im Bereich WI3 – WI4 bieten.
Als Einsteigerrouten empfehlen wir hier die Routen Valmiana (WI 3) bei Valnontey und Pattinagio Artistico (WI 3) bei Lillaz. Die Routen sind leicht zu finden und bieten gute Absicherungsmöglichkeiten. Beide Routen haben auch eingebohrte Stände, über die man sich im Zweifel auch jederzeit abseilen kann. Etwas schwieriger, aber nicht weniger lohnend sind die seltener begangenen Routen Hard Ice in the Rock (WI4), Fallo di Plutone (WI4) und Coup Money (WI4+). Die beiden letzteren ebenfalls mit gebohrten Ständen. Übersichtskarten für jeweils beide Täler mit eingezeichneten Routen etc. sind online zu finden.


So richtig eingeklettert ging es dann für uns am letzten Lehrgangstag bei bestem Wetter noch in ein Nachbartal ca. 1 Std. westlich von Cogne: In diesem kürzlich erst angelegten Eis-Park konnten wir uns so richtig austoben: Von Ein- oder Mehrseillängen zum Aufwärmen, über steile Mixedkletterei in verschiedenen Schwirigkeitsgraden, bishin zu freistehende Säulen blieb hier kein Wunsch offen!

Wir hatten eine super Zeit hier in Cogne und wünschen viel Erfolg bei euren Touren!
Euer Alpinkader NRW
