An einem schönen Maiwochenende trafen wir uns in Wuppertal in der Kletterhalle Wupperwände. Thema des Lehrgangs war – wie der Titel schon vermuten lässt – die behelfsmäßige Bergrettung.

Das letzte Mal hatten wir uns mit dem Thema im Chimpanzodrome in Köln beschäftigt. Dort lernten wir bereits verschiedene Methoden des Seilaufstiegs sowie grundlegende Inhalte der Ersten Hilfe am Berg kennen. Genau daran wollten wir nun anknüpfen: Die bisherigen Inhalte sollten vertieft und um komplexere Techniken erweitert werden – unter anderem durch den Aufbau verschiedener Flaschenzüge. Außerdem wurden an diesem Wochenende die ersten möglichen Ziele für unsere Expedition 2027 vorgestellt und diskutiert.

Die Kletterhalle Wupperwände bot dafür perfekte Bedingungen. Besonders der Außenbereich mit seiner leicht überhängenden Wand eignete sich hervorragend als Übungsgelände.

Unser Lehrgang begann mit dem Schleifknoten – und zwar in allen möglichen Variationen. Der Knoten ist essenziell für die behelfsmäßige Bergrettung und sollte generell beim Alpinklettern sicher beherrscht werden. Ob in Kombination mit HMS, Tuber oder beim Aufbau eines Flaschenzugs – an diesem Wochenende kam der Schleifknoten gefühlt dauerhaft zum Einsatz.

Apropos Flaschenzüge: Zunächst übten wir die verschiedenen Systeme am Boden. Dabei beschäftigten wir uns zuerst mit dem sogenannten Bauernflaschenzug und später mit dem Expressflaschenzug, der losen Rolle sowie dem Schweizer Flaschenzug. Alle Systeme haben dabei ihre ganz eigenen Einsatzbereiche. Während Bauern- und Expressflaschenzug ideal dafür geeignet sind, Lasten kurz anzuheben – zum Beispiel um einen Nachsteiger über eine schwierige Stelle zu ziehen – eignen sich die lose Rolle und der Schweizer Flaschenzug eher dafür, schwere Lasten über längere Distanzen zu bewegen.

Anschließend konnten wir die Flaschenzüge direkt in verschiedenen Übungsszenarien an der Kletterwand ausprobieren. Dabei testeten wir auch den sogenannten Körperhub beziehungsweise „Body Haul“. Hierbei nutzt man das eigene Körpergewicht, um eine am Seil hängende Last nach oben zu ziehen.

Nach einem – wie auf unseren Lehrgängen eigentlich immer – richtig guten Abendessen bzw. Grillabend stand am Ende des Tages noch ein spannender Programmpunkt an: Jeder von uns stellte ein Expeditionsziel vor, das wir seit dem Eiskletterlehrgang vorbereitet hatten. Wichtig war dabei, dass die Ziele für unseren Kader realistisch und machbar sind.

Dabei kamen ganz unterschiedliche Regionen zusammen – von Indien, China und Oman über die Türkei bis hin zu Alaska und Peru. In den Präsentationen ging es unter anderem um die jeweiligen Wetterbedingungen, das Gelände und die Möglichkeiten vor Ort – also zum Beispiel, ob der Fokus eher auf Eis oder Fels liegt. Außerdem haben wir uns mit den organisatorischen Besonderheiten der einzelnen Länder beschäftigt. In Indien und China braucht man beispielsweise spezielle Permits, um bestimmte Berge überhaupt besteigen zu dürfen.

Unsere Trainer fanden alle vorgestellten Ziele grundsätzlich realistisch, auch wenn am Ende natürlich nur eine Expedition umgesetzt werden kann. Bis zum nächsten Lehrgang wollen wir uns deshalb noch intensiver mit den einzelnen Möglichkeiten beschäftigen, um dann gemeinsam herauszufinden, welches Ziel am besten zu unserem Kader passt.

Am nächsten Tag wartete dann noch ein größeres Übungsszenario auf uns: Ein Nachsteiger war in einem Quergang gestürzt und aufgrund seiner Verletzungen handlungsunfähig. Die Aufgabe des Vorsteigers bestand nun darin, vom Standplatz aus zu den Zwischensicherungen zu gelangen, diese auszuhängen und den verletzten Nachsteiger mithilfe der gelernten „Bausteine“ zum Standplatz hinaufzuziehen. Anschließend sollte der Verletzte in die Bergespinne gehängt werden, um danach gemeinsam abzuseilen. Die Übung verlangte einiges an Geduld und Präzision vor allem beim Aufbau der verschiedenen Flaschenzüge und beim Legen und Verschieben der Prusiks. Während wir also in den Wänden hingen, lief um uns herum der normale Betrieb der Kletterhalle weiter. Vor allem unsere Trainer mussten immer wieder neugierigen Außenstehenden erklären, was wir da oben eigentlich treiben – und wofür diese Techniken am Berg später einmal wichtig sein können.

Unser Lehrgang endete schließlich am Sonntagnachmittag bei herrlichem Wetter nach vielen intensiven Stunden voller Übungen und neuer Erfahrungen.

An dieser Stelle auch nochmal ein riesiges Dankeschön an das Team der Kletterhalle Wupperwände! Die Bedingungen vor Ort – und besonders der Außenbereich – waren perfekt für unseren Lehrgang, und wir haben uns dort während der zwei Tage richtig wohlgefühlt.

Im August geht es für uns dann weiter mit dem nächsten Lehrgang. Dann steht wieder echtes alpines Gelände auf dem Programm und wir widmen uns dem Thema Hochtouren.