Erste Hilfe und Bergrettung

Für unseren letzten Lehrgang in diesem Jahr trafen wir uns mit unseren Trainern Dave, Matthias und Mirjam in der Kletterhalle Chimpanzodrome in Frechen/Köln. Schwerpunktmäßig ging es diesmal um Erste Hilfe und behelfsmäßige Bergrettung, um uns auf die Erstversorgung von Verletzungen im Gebirge vorzubereiten – natürlich nicht in der Erwartung, dass uns etwas Schlimmes zustoßen wird. Dazu lernten wir auch unseren Expeditionsarzt Dr. Eike Plazikowski kennen, der den letzten Kader auf deren Expedition nach Indien begleitete und voraussichtlich auch uns auf unserer künftigen Expedition mit seiner Expertise für Höhenmedizin unterstützen wird. Auf diesem Lehrgang war zum ersten Mal auch Nico, der auch den zweiten Alpinkader bei deren Expedition als Fotograph begleitet hat und für uns in diesem Lehrgang viele tolle Bilder aufgenommen hat. Später im Lehrgang sollten auch noch unser Co-Trainer Martin und Tillmann aus dem zweiten Alpinkader dazukommen.

Zunächst wurden wir von Eike über zur Vorgehensweise bei verletzten Personen unterrichtet. Es wurde Beispielsweise das cABC-Schema vorgestellt, nach dem man die wichtigsten bzw. lebensbedrohlichsten Verletzungen einer Person zuerst identifiziert und entsprechend behandelt. Vorgestellt wurden uns auch verschiedene Verletzungen, die uns sowohl beim Sportklettern als auch im alpinen Gelände widerfahren könnten. Dazu gehörten Verletzungen wie Platz- und Schnittwunden, aber auch Knochenbrüche. Selbstverständlich lernten wir, wie in einem klassischen Erste-Hilfe-Kurs, auch entsprechende Behandlungsmöglichkeiten dieser Verletzungen und zusätzlich Transportmethoden, sollte eine verletzte Person im schlimmsten Fall bewegungsunfähig sein. Dabei kam auch das Thema Eigenschutz nicht zu kurz – das eigene Leben ist schließlich am wichtigsten. Danach gingen wir unsere Erste-Hilfe-Sets durch, damit auch jeder von uns ausreichend Material für eine mögliche Erstversorgung in den Bergen dabeihat. Verbandspäckchen, Kompressen, Dreiecktücher und Rettungsdecken dürfen hier nicht fehlen aber auch Scheren, Pinzetten, Pflaster und Handschuhe sollten immer dabei sein.

Jetzt wurde es Ernst, die Trainer eine simulierte aber dramatische Notsituation vor, in der wir als Ersthelfer zur Hilfe eilen mussten:

Martin, gesichert von einem unerfahrenem Tillmann, brach beim Klettern einen Stein aus der Felswand und stürzte ab, wobei er sich das Bein verletzte und den Arm brach. Zu allem Unglück traf der herausgebrochene Stein den daneben Kletternden Matthias am Kopf, der direkt bewusstlos wurde und leblos an der Wand baumelte. Weder die hysterische Mirjam, die Matthias sicherte, noch Tillmann wussten was zu tun war. Hier schritt der dritte Alpinkader NRW ein, um die in Not geratenen Kletterkammeraden aus der Presche zu schlagen. Direkt wurde von Max ein Notruf abgesetzt und von Anne ein Erste-Hilfe-Packet organisiert, während Albert, Fynn, Dominik und Marvin die Sichernden dabei unterstützten, die Geschädigten möglichst schadensfrei auf den Boden zu bringen. Nun konnten wir unsere medizinischen Fähigkeiten anwenden. Nach Überprüfung der Atmung bekam Matthias einen Druckverband für den Kopf, welcher darauf wieder zu Bewusstsein kam und über furchtbare Schmerzen im Ellenbogen klagte. Dieser wurde mithilfe eines Samsplints geschient. Parallel dazu wurden Martins Bein und dessen Arm behandelt. Gegen die Kälte bekamen beide selbstverständlich eine Rettungsdecke. Damit waren beide Verletzten zunächst ausreichend versorgt bis der Rettungsdienst eintraf.

Die Übung zeigte uns, dass wir unser Wissen auch in Stresssituationen einsetzen, und eine sichere Versorgung von Verletzten gewährleisten können.

Auch unsere Lieblingsbeschäftigung kam in diesem Lehrgang trotz der vielen Theorie nicht zu kurz. Den Abend verbrachten wir in der Halle mit viel Klettern und stundenlangem Bouldern am Kilterboard.

Am nächsten Tag war die behelfsmäßige Bergrettung das Thema. Wir sollten in der Lage sein an einem einzelnen oder einem doppelten Seilstrang aufzusteigen und mit einer bewusstlosen Person wieder abzuseilen, um auf sicheren Boden zu kommen. Zum Aufsteigen an den Seilen wurden uns diverse Techniken mit Prusiks und allerlei Arten von Seilklemmen gezeigt, die wir auch ausreichend an der Außenwand des Chimpanzodrome ausprobierten. Danach gingen wir wieder zu Übungen im Team über: Einer unser Kaderathleten hängte sich an einen vorgeschraubten Stand und spielte einen bewusstlosen Geschädigten, während der zweite mithilfe der Seilklemmen zu diesem aufstieg. Anschließend befestigte der Helfende sich selbst und den Geschädigten an einem Abseilgerät und seilte mit diesem gemeinsam ab. Dies funktionierte für uns alle sehr gut und wir alle lernten viele neue Techniken und Möglichkeiten dazu.

Obwohl es nur ein kurzer Lehrgang war hatten wir alle viel Spaß am lernen und Ausprobieren und haben uns gefreut, uns gegenseitig wiederzusehen. Auch war es cool gemeinsam mit unseren Co-Trainern zu Üben und Eike und Nico kennenzulernen. Von unseren Trainern gab es noch einen spannenden Einblick in die Planung für nächstes Jahr: Gleich im Februar geht es los mit unserem Eiskletterlehrgang.

Alpinklettern im Val di Mello

In der ersten Septemberwoche fand unsere zweite Kletter-Fortbildung statt. Ein Ort für die Fortbildung war diesmal aufgrund der schwierigen Wetterlage schwer zu finden. Zur Auswahl standen unter anderem die Dolomiten und Berchtesgaden, jedoch legten sich unsere Trainer letztendlich auf die Region des Val di Mello fest. Dabei handelt es sich um eines der bekanntesten Klettergebiete für Granitkletterei im Trad Stil. Herausragende Klettertouren kann man hier nicht nur im Val di Mello selbst, sondern auch in den umliegenden Gebieten wie Bergell mit den berüchtigten Piz Chengalo und Piz Badile, Chiavenna und dem Val di Masino angehen. Untergebracht waren wir für die Woche auf einem Campingplatz direkt am Lago di Como. Dieser lag günstig zwischen allen in der Region sich befindlichen Klettergebieten, so dass wir nicht auf einzelne Gebiete beschränkt waren. Dazu bot der See auch eine super Entspannungsmöglichkeit nach lagen Klettertagen.

Am Sonntagabend trafen wir uns mit unseren Trainern – Dave, Mirjam, Bene und Matthias am Campingplatz. Wir richteten uns ein und gleich darauf begannen wir in den Kletterführern nach den besten Klettertouren zu suchen. Jedoch machte uns, wie so oft, das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Gleich am nächsten Tag sollte gegen Mittag ein Gewitter durch die gesamte Region ziehen, was lange Klettertouren unmöglich machte. Daher legten wir uns für den ersten Klettertag auf kürzere Mehrseillängenrouten oberhalb des Ortes Val Masino fest. Die meisten dieser Routen wurden mit dem Zusatz beschreiben, dass diese eher selten begangen wurden – ein Tipp den wir uns zu Herzen hätten nehmen sollen. In den Routen kämpften wir uns durch zugewachsene Risse und über mit Moos bedeckte Platten. Jedoch war nicht alles so durchwachsen. Die Routen boten auch angenehme Plattenklettereien, die für eine gute Eingewöhnung für unsere kommenden Unternehmungen diente. Trotzdem wurden wir durch die teileweise sehr botanischen Passagen verlangsamt, was dafür sorgte, dass einige von uns noch vom Regen erwischt wurden.

Für die nächsten Tage planten wir eine mehrtägige Tour. Das Wetter sollte für den nächsten Tag noch instabil sein aber die zwei Tage danach durchgehend schön. Perfekt für einen Aufstiegstag mit zwei anschließenden Klettertagen. Für potenzielle Touren kamen für uns unter anderem Klassiker am Piz Badile und Cengalo, sowie Cima di Castello in Frage, jedoch ergab sich durch einen Anruf auf den Hütten schnell, dass die Felsen in höheren Lagen noch vereist waren, was diese Ziele leider ausschloss. Es bestand die Hoffnung, dass die Südseite des Piz Badile aufgrund der sonnenexponierten Lage rechtzeitig Auftaute und so nahmen sich Marvin, Anne und Fynn diese als Ziel vor. Max suchte sich derweil eine abenteuerliche Route an der Südwestseite des Sasso Manduino aus, bei der sich Dominik und Albert anschlossen.

Für Max, Dominik, Albert, sowie die Trainer Mirjam und Matthias ging es zunächst mit dem Auto auf abenteuerlichen Wegen zur Capanna Volta, einer äußerst gut ausgestatteten Selbstversorgerhütte in dem abgelegenen Valle die Ratti. Die Hütte bot, trotz der Abgelegenheit, eine super ausgestattete Küche, einen Holzofen, bequeme Schlafplätz und sogar freies WLAN. Trotz der ausgezeichneten Ausstattung wird die Hütte, dem Hüttenbuch nach, eher wenig besucht und bei unserem Besuch waren wir auf der Hütte allein. Am Abend wurden die letzten Details für die Kletterroute ausgeplant. Das Ziel war eine 900m-Route zum Selbstabsichern durch die Südwestwand des Sasso Manduino, bei der es nicht nur galt, Sicherungen selbst zu lege, sondern auch Stände selbst zu bauen. Für den Zustieg ging es am nächsten Morgen früh los. Um auf die Westseite des Sasso Manduino zu gelangen mussten wir zunächst in eine Lücke auf der Südseite des Bergs aufsteigen – nur um dann durch eine äußerst brüchige Rinne zum Einstieg absteigen. Die Zeit spielte hier jedoch gegen uns. Durch die Rinne kamen wir nur sehr langsam voran denn der Abstieg war durch Steinschlag und nasse steile Felsabschnitte geplagt. Und so sprach unsere Bergführerin Mirjam das Machtwort zur Umkehr da wir den geplanten Zeitplan mit Abstand verfehlten und ein voraussichtlicher Abstieg in der Dunkelheit in unbekanntem und wenig begangenem Gelände zu gefährlich wäre.

So entschloss sich das Team für eine andere Route – den Südost-Grat zum Sasso Manduino. Dieser war von der Schwierigkeit her leichter und deutlich kürzer als die ursprünglich geplante Route. Auch hier galt es Stände und Sicherungen selbst einzurichten, womit uns ein großer Lerneffekt erhalten blieb. Durch grasige Platten und langwierige Gratkletterei arbeiteten wir uns in Richtung Gipfel hinauf. Zum Teil galt es ausgedehnte Grasbänder zu Queren, an anderen Stellen mussten wir große Runouts auf Platten in Kauf nehmen.  Stände lernten wir in unterschiedlichsten Situationen zu bauen wie klassisch an Rissen und Schuppen, oft musste auch mithilfe der 5m Prusik ein einzelner fester Felsblock herhalten. Am Nachmittag erreichten wir den Gipfel wo wir im Gipfelbuch erfuhren, dass wir das sechste Team im Jahr 2025 waren, das den Gipfel erreichte. Zum Abstieg seilten wir über dem Normalweg ab und erreichten am frühen Abend die Hütte, wo wir eine weitere Nacht verbrachten und am Donnerstag abstiegen. Im Tal verbrachten wir den restlichen Tag um zu regenerieren und am See zu entspannen.

Währenddessen stieg das Team Fynn, Anne, Marvin mit den Trainern Dave und Bene zur Gianetti Hütte auf. Geplant war von dortdie Route Diretta Giulio Fiorelli an der Südwand des Piz Badile zu bezwingen. Jedoch stellten wir hier nach einer Stunde Zustieg zur Route fest, dass die unteren Seillängen zu nass waren und wichen an die Südostkante des ebenso schönen Piz Cengalo aus. Hier bot die Route Spigolo Vinci deutlich bessere Bedingungen. Diese verlief teilweise ausgesetzt an einem scharfen Zackengrad, mal an wunderbar griffigen Schuppen und dazu gab es zwischendurch auch noch zwei herrliche Risse zum Überwinden. Diese Route mussten wir fest komplett selbst absichern und Stände selbst einrichten, was aber im ausgezeichneten Granitfels sehr gut möglich war. Durch den Wechsel an den Piz Cengalo verloren wir jedoch Zeit, weshalb wir erst spät den Gipfel und noch später wieder die Gianetti Hütte erreichten. Trotz später Ankunft bekamen wir vom netten Hüttenwirt noch ein leckeres Abendessen. Am nächsten Tag war der Abstieg geplant, was uns aber nicht davon abhielt das gute Wetter zu nutzen und noch am Dente delle Vecchia ein paar Routen zu Klettern.

Als wir alle am Donnerstagabend wieder am Campingplatz zurückwaren standen direkt neue Planungen an. Am darauffolgenden Freitag sollte es gegen Mittag im Val di Mello Gewittern, daher beschlossen wir für diesen Tag die Klettergebiete des am südlichen Ende des Lago di Como gelegenen Lecco zu besuchen. Hier kletterten wir zur Abwechslung nicht am Granit, sondern an spitzen Kalkfelsen. Eine gute Entscheidung, denn während wir dort in der Sonne klettern konnten, sahen wir in der Ferne das Val di Mello im Gewitter und Regen versinken – Etwas was einige von uns am Tag darauf noch beschäftigen sollte.

Für den letzten Klettertag hatten wir alle nochmals eine größere Klettertour vor. Anne, Fynn und Marvin nahmen sich das unglaublich lange Projekt vor die beiden Ultra-Klassiker Il Risveglio di Kundalini und Luna Nascente direkt hintereinander zu klettern, womit man auf stattliche 19 Seillängen kommt. Dominik und Max wollten sich die schwere Lavorare con Lentezza vornehmen und Albert hatte sich einen weiteren ultra-Klassiker, Oceano Irrazionale, herausgesucht. Leider fiel in letzter Minute unser Trainer Matthias aufgrund eines Stocks im Ohr aus, so dass Albert sich Anne, Fynn und Marvin bei ihrer Unternehmung anschloss.

Für Anne, Marvin, Fynn und Albert begann der Tag früh. Im Dunkeln fuhren wir mit unserem Trainer Bene nach San Martino und liefen in der Kälte in Richtung Einstieg, welcher aufgrund der Dunkelheit nicht leicht zu finden war. Nachdem wir anfangs direkt am Einstieg vorbeiliefen, konnten dennoch im Morgengrauen die ersten Seillängen bezwingen. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass regelrecht Bäche aus den Rissen und verwachsenen Terrassen des Felsens herausliefen. Diese zu bezwingen kostete das Team wertvolle Zeit und auch in den oberen Seillängen war keine Besserung in Sicht. Dennoch konnten wir hier passagenweise ausgezeichnete Platten und Risskletterei genießen. Die Tour ist nicht umsonst eine der beliebtesten im Val di Mello. In der Tour merkten wir aber schon früh, dass die Luna Nascente im Anschluss zeitlich nicht mehr möglich war. Zu sehr hatten uns die nassen Rinnen verlangsamt. Daher stiegen wir nach erfolgreichem Durchstieg der Kundalini wieder ins Tal ab und sprangen zum Abschluss noch in den im Tal laufenden Fluss.

Für Max und Dominik dagegen waren die Bedingungen deutlich besser. Zusammen mit unserer Trainerin Mirjam stiegen sie die in die Lavorare con Lentezza ein und konnten trotz des Regens am Tag davor durch ausgezeichnet trockene Risse klettern. Ein super Abschluss zur Lehrgangswoche.

Am Sonntag schlossen wir den Lehrgang mit einer Feedbackrunde und einem Ausblick zu unserem Nächsten Lehrgang ab. Wir hatten in der Woche viel gelernt und neue Erfahrungen gesammelt. Alles in einem war es für uns trotz der wechselhaften Bedingungen ein erfolgreicher Lehrgang.

Trainingswoche in Chamonix

Im Rahmen des Alpinkader NRW wurde uns als dritter Alpinkadermannschaft im Juli eine Woche mit unseren Co-Trainern Martin und Matthias angeboten. In der Woche war es eigentlich geplant unser Können im Alpinklettern zu festigen und auszubauen. Es sollte jedoch etwas anders kommen. Durch den brutalen Prüfungsstress, der Studierenden zugemutet wird, fielen bis auf mich (Albert) alle Teilnehmenden des aktuellen, dritten Alpinkaders aus und so bestand unser Team für die Woche aus Martin (erster Alpinkader NRW), Matthias und Tillmann (zweiter Alpinkader NRW) und mir. Geplant war von Martin und Matthias eigentlich eine Woche am Wilden Kaiser; da wir aber nun wesentlich weniger Leute waren als kalkuliert, waren wir flexibler was unser Touren angingen. Es stellte sich schnell heraus, dass wir alle eigentlich mehr Lust auf Hochtouren hatten und auch die Wettervorhersage für die Westalpen besser war, und so viel die Wahl auf Chamonix.

Martin, Matthias und ich trafen uns am Samstagabend in Chamonix, wo wir direkt den ersten Dämpfer erlebten. An so gut wie allen Stehplätzen, wo man sich bisher gut zum Übernachten mit dem Auto hinstellen konnte, standen nun Verbotsschilder. Kurz darauf die nächste Enttäuschung: das bisher als stabil vorhergesagte Wetter hatte sich wie aus dem Nichts in äußerst wechselhaft mit viel Starkwind verändert. Die Bedingungen erzeugten zunächst Ratlosigkeit. Als Tillmann am nächsten Tag zu uns traf, schauten wird uns deshalb erstmal die in Chamonix stattfindende Weltmeisterschaft im Lead-Klettern an. Die Idee, eine Überschreitung der Aiguille du Verte zu machen, verwarfen wir aufgrund der Windlage schnell. Die Wahl fiel schließlich auf die weniger hohe und dementsprechend etwas weniger dem Wind ausgesetzte Aiguille du Tour, was auch der Akklimatisation guttun sollte.

Und so begannen wir unsere erste Tour erst einmal mit einer Fahrt um das halbe Mont-Blanc-Massiv herum nach Champex in der Schweiz. Von dort stiegen wir bis zur Trient-Hütte hoch und schlugen unser Biwak etwas abseits der Hütte auf. Hier hatten wir einen wunderschönen Biwakplatz mit phänomenalem Blick u.a. auf die Aiguilles Dorées, und außerdem Wasser aus einem naheliegenden Schneefeld. In der Nacht wurden wir dagegen von kleineren Hagelschauern geweckt. Nichtsdestotrotz machten wir uns am nächsten Morgen zügig in Richtung Aiguille du Tour auf den Weg. Hier hatten wir geplant um die Aiguille du Tour herum zu laufen und über den Arete de la Table zum Gipfel aufzusteigen. Als wir über den Gletscher liefen, merkten wir aber auch bald, das daraus nicht werden würde. Der gesamte Gipfel war in Wolken gehüllt und mit starkem Wind kam auch ab und zu Niederschlag dazu. So beschlossen wir, den Normalweg hinaufzugehen, um wenigstens den Gipfel zu holen. Bei eisigem Wind und Nieselregen erreichten wir den Gipfel. Ein schnelles Foto und wieder direkt runter. Beim Abstieg wurde unsere Wahl, die ursprüngliche Planung zu verwerfen, als richtig bestätigt. Ein eisiger Hagelschauer prasselte auf uns herunter und die Felsen des Gipfelaufbaus waren komplett nass. Zurück am Biwak stopften wir alles in die Rücksäcke und begannen nach einer Kaffeepause an der Trient-Hütte den Abstieg. Zum Glück bot uns Champex einen wunderschönen See, an dem man im Gras liegen und dabei auch noch die nassen Schlafsäcke trocknen konnte.

Nach unserer Erfahrung an der Aiguille du Tour fiel uns die Entscheidung leicht, am folgenden Tag etwas Alpinklettern zu gehen. In Barberine, an der Grenze von Frankreich und der Schweiz, erwartete uns ein wunderschöner Granit-Fels, der kaum abgegriffen war und gute Absicherung bot. Von den angesagten Sturmböen am Mont-Blanc-Massiv bekamen wir hier nichts mit. Diesen Tag beendeten wir zur Abkühlung mit einem Sprung in den nächsten Bach.

Durch die zeitliche Begrenzung blieben uns kaum noch Möglichkeiten für eine ausgedehnte Hochtour. Und das Wetter war auch einfach zu wechselhaft. Jedoch blieb uns ein kleines Zeitfenster, in dem im Wallis relativ gutes Wetter angesagt war. Dies wurde aber wohlgemerkt auch von anderen Bergsteigern zur Genüge genutzt. Bei einem Blick auf Buchungsoptionen bei Hütten und Biwakschachteln fiel uns auf, dass schon fast überall alles ausgebucht war. Mit etwas Glück konnten wir uns noch vier Plätze an der Mischabelhütte reservieren. Das Ziel unserer letzten Tour war die Lenzspitze über den Ostgrat mit Überschreitung zum Nadelhorn – ein Klassiker. Nach einer Nacht in der Mischabelhütte begannen wir früh morgens mit dem Aufstieg. Der Ostgrat, zu Beginn noch flach genug zum Gehen, stieg bald steil an und wir gingen bei einem großen Gendarm in die Gratkletterei über. Hier Kletterten wir in zwei Seilschaften, Tillman mit Matthias und Martin mit mir. Der Fels war an vereinzelten Stellen brüchig, jedoch im Großen und Ganzen in Ordnung und bot schöne Gratkletterei im Morgenschein. Die Schwierigkeiten liegen hauptsächlich im II. bis III. Grad und an den schwierigen Stellen sind sogar einzelne Haken vorhanden. Auch die Abseilstellen sind abgesichert. Allerdings kosteten uns zwei Verhauer aufgrund einer  für uns unklaren Tourenbeschreibung Zeit. Nach einem Firnaufschwung, bei dem wir doch noch unsere Steigeisen brauchten, und einer letzten kurzen Kraxelei kamen wir auf den Gipfel der Lenzspitze. Hier hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf den Rest der Mischabelgruppe und auf die gegenüberliegenden Bergmassive. Nach einem Gipfelfoto ging es für uns weiter in Richtung Nadelhorn. Die Traverse bestand zunächst aus einem kurzen Abstieg, danach ging es aber bald wieder aufwärts zum Gipfel. Der Fels war hier nahezu durchgehend kompakt und wir genossen die wunderschöne Gratkletterei. Allerdings ging es Tillmann in der Höhe schlecht, so dass wir von einer möglichen Verlängerung der Tour über die weiteren Viertausender auf dem kompletten Nadelgrat bald abgesehen haben, um schnellstmöglich nach dem Nadelhorn tiefer zu kommen. Es gibt auf dem Grat drei Türme, die man am besten überklettert und jeweils an Eisenstangen abseilt. Wir erreichten das Nadelhorn allein und stiegen nach einer kurzen Pause zügig vom Gipfel über das sehr windige Windjoch wieder zurück zur Mischabelhütte und danach nach Saas-Fee. Eine sehr lohnende und wunderschöne Abschlusstour für unsere Woche.

Alles in allem hatten wir eine tolle Woche. Wir konnten trotz des unbeständigen Wetters ein paar super Touren machen und eine ausgesprochen gute Zeit in den Bergen verbringen. Ich selbst konnte neue Erfahrungswerte sammeln und von dem Können der Co-Trainer dazulernen.

Pommes und Klettern in Freyr

Es ist Anfang Mai. An einem wunderschönen, aber sehr warmen Frühlingstag haben wir uns zu unserem ersten Ausbildungslehrgang und damit dem ersten Wiedersehen nach dem Sichtungslehrgang getroffen. Wir, das sind Anne, Fynn, Marvin, Max, Dominik und Albert und natürlich auch unsere Ausbilder Mirjam, Bene und Dave. Wir waren hochmotiviert, gespannt, aber auch etwas aufgeregt, was uns in den nächsten Tagen erwarten wird.

Pünktlich um 10 Uhr trafen wir uns am Parkplatz in Freyr. Freyr ist das größte Klettergebiet Belgiens und etwa 3 Stunden von Köln entfernt. Dass es das älteste Klettergebiet Belgiens ist, sollten wir in den nächsten Tagen noch zu spüren kriegen.

Der erste Tag begann ganz entspannt mit ein paar Bodenübungen zu den Themen Standplatzbau, Seilhandling und Abseilen am schattigen Wandfuß. Das kam uns bei fast 30 Grad sehr gelegen. Nach den ersten Klettermetern und dem ersten Anwenden der besprochenen Inhalte gaben uns die Trainer etwas Freizeit. Angesichts des Wetters nutzen wir die Zeit gerne, um im am Wandfuß gelegenen Fluss baden zu gehen.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis uns die beeindruckenden und bis zu 110m hohen Wände in ihren Bann zogen und wir begannen, die Sportkletterrouten direkt am Wasser zu probieren.

In diesen Routen mussten wir sehr schnell feststellen, dass das Klettergebiet durchaus seine Schwierigkeiten und Tücken hatte, die Routen sehr klassisch bewertet sind und wir uns aufgrund der Abgegriffenheit des Felses das ein oder andere Mal den rauen Alpenkalk herbei wünschten.

Der Tag endete mit einem gemeinsamen Abendessen und Beisammensein am Lagerfeuer.

Nach dem gemeinsamen Frühstück am zweiten Tag starteten wir endlich in die Mehrseillängen Freyrs. In Dreierseilschaften, bestehend aus je zwei Athleten und einem Trainer, erkundeten wir die großen Klassiker des Gebietes, die oft schon in den 1930ern erstbegangen wurden. Angesichts der Schwierigkeiten, die uns so manche Stelle trotz moderner Kletterschuhe bereitet hat, erschien uns die Leistung der Erstbegeher, die vermutlich in Bergschuhen unterwegs waren, sehr beeindruckend.

Ziel des Kletterns und Abseilens war es, sich als Seilschaft aufeinander einzuspielen und die erlernten und vertieften Techniken routiniert anzuwenden.

In einer kurzen Mittagspause durften die berühmten belgischen Pommes nicht fehlen. Ein Glück gab es direkt gegenüber des Klettergebiets eine gute und sehr schmackhafte Frierterie.

Im späten Nachmittag stieß dann Rowena, unsere Kaderpsychologin hinzu.

Rowena hatte für uns einige Kennenlern- und Teambuildingmaßnahmen vorbereitet und mit uns Themen besprochen, die sonst vielleicht zu kurz gekommen wären.

Abends gab es einen gemeinsamen Austausch, während wir im campingplatzeigenen Bistro zusammen zu Abend aßen.

Nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen direkt in die nächste Mehrseillänge. Durch den frühen Start konnten wir den heißen Mittagsstunden in der Wand entgehen. Gleichzeitig nutzen wir die neuen Routen, um mit möglichst jedem Athleten des Kaders mal gemeinsam zu klettern.

Die Pause nach dem Klettern fiel am Samstag, dem dritten Tag, etwas kürzer aus, da wir dem herannahenden Gewitter mit starkem Regen entgehen wollten, gleichzeitig aber noch einige Themen zu besprechen hatten. Der Umgang mit mobilen Sicherungen war bereits allen bekannt und schnell besprochen.  Spannender und vor allem für die meisten noch unbekannt war das eigenständige Setzen von Schlaghaken. Das verbanden wir mit dem Einrichten von Ständen an mobilen Sicherungen und fraglichen Sicherungspunkten. Damit sind wir für den kommenden Lehrgang, bei dem wir lange Touren in den Alpen klettern möchten, bestens gewappnet. Anfangs halbwegs trocken, am Ende dann aber doch durch den Regen sprintend, kamen wir dann am obligatorischen Stopp, der Pommesbude an. Der restliche Tag verlief ruhiger, wir nutzen die Regenzeiten für alltägliche Aufgaben wie Spülen, Einkaufen und Duschen.

Abends überraschten wir uns mit unseren kulinarischen Grillkünsten selbst. Neben Grillgut wie Grillkäse und ein wenig Fleisch landeten auch Spargel, gefüllte Pilze, Gemüsespieße, Feta mit Rosmarin und mit Knoblauch gefüllter Camembert auf dem Grill. Als Beilage gab es selbstgemachten Nudelsalat. Vermutlich hat keiner von uns ein solches Grillbuffet auf einem Ausbildungslehrgang erwartet.

Am letzten Tag verabschiedeten wir uns mit einer selbstgewählten Mehrseillängenroute von Freyr. So langsam hatten wir uns an die oft sehr speckige Kletterei gewöhnt und freuten uns über die letzten, zum Großteil sehr schönen Klettermeter.

Nach dem Klettern erwartete uns noch mehr Vorbereitung für die weit entfernten Gletscher der Alpen. Gemeinsam besprachen wir das Verhalten auf einer Hochtour und übten die Rettung aus einer Gletscherspalte.

Neben einem kurzen Feedback gab es als Abschluss einen Ausblick auf die kommenden Lehrgänge und – natürlich – die obligatorische Portion Pommes. Glücklich und müde von der schönen Zeit und mit großer Vorfreude auf die uns bevorstehende gemeinsame Zeit traten wir dann den Heimweg an.

Sichtungslehrgang des Alpinkaders NRW 2025

Vom 25. bis zum 28. März 2025 fand die Sichtung des Alpinkaders NRW statt. Der Alpinkader NRW ist ein vom Landesverband NRW ins Leben gerufenes Projekt, zur Förderung des Leistungsbergsteigens in NRW. Dazu schafft der Alpinkader unter anderem ein soziales Netzwerk zwischen Bergsteigerinnen aus NRW und bildet sechs ausgewählte Athletinnen über einen Zeitraum von drei Jahren alpinistisch aus. Zum Ende der Kaderzeit wird eine Abschlussexpedition mit selbst festgelegtem alpinistischen Schwerpunkt durchgeführt.
Mit der Sichtung 2025 geht der Alpinkader NRW in die dritte Runde. Zur Sichtung erschienen 15 Bewerberinnen aus unterschiedlichen DAV – Sektionen in NRW, die anhand einer Bewerbung inklusive Motivationsschreiben und Tourenbericht ausgesucht und eingeladen wurden. Zusammen mit unserem Trainerteam – Mirjam Limmer, David Colling und Bené Hiebl – sowie den Co-Trainern, einigen ehemaligen Athleten, unserer Psychologin und dem Fotografen Sebastian Wolf verbrachten wir vier Tage in der schönen Eifel, um unsere sozialen sowie alpinsportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu zeigen. In diesen vier Tagen gab es ein straffes Programm, damit alle Bewerbenden ihr Können in verschiedenen Situationen unter Beweis stellen konnten. Nach einer allgemeinen Vorstellungs- und Informationsveranstaltung am Dienstagmorgen starteten wir direkt mit dem Konditionslauf. Dabei galt es, eine Runde von gut 5 km und ca. 300 Höhenmetern dreimal hintereinander auf Zeit zu laufen und währenddessen verschiedene Stationen zu bewältigen. Diese waren das Tragen eines gefüllten Rucksacks, das Laufen über eine Slackline, das sich über eine Seilbrücke ziehen sowie das Ziehen eines Reifens. Wir Bewerberinnen starteten zeitversetzt und konnten so von Anfang an ohne viel Druck unser eigenes Tempo laufen. Trotz der Anstrengung sind uns allen die besonders schönen – fast märchenhaften – Orte im Wald aufgefallen. Der Tag wurde von einem Vortrag über die Abschlussexpeditionen der vergangenen Kader abgerundet. So konnten wir uns ein gutes Bild darüber machen, was im Falle einer Kaderaufnahme auf uns zukommen könnte.

Am zweiten Tag wurde unser Sportkletterkönnen im Kalk getestet. Dazu ist jeder von uns sechs Routen (UIAA 4 bis 9) im Klettergebiet Gerolstein geklettert. Um die ganze Gruppe zu sichten, war ein gewisses Maß an Logistik gefragt. Doch dank eines durchdachten Zeitplans und der Mithilfe aller, war die Einhaltung des Plans ohne größeren Stress gut möglich und alle konnten in den Routen ihr Bestes geben.

Auch am dritten Tag wurde unser Kletterkönnen getestet, dieses Mal jedoch im Basalt. An drei verschiedenen Stationen zeigten wir in Ettringen unser Können. Wir kletterten schönste Risse, präsentierten unsere Fertigkeiten im Legen von mobilen Sicherungsmitteln und bewiesen unsere Kraft, unsere Technik sowie unser Feingefühl beim Drytoolen.

Am letzten Tag absolvierten wir in Fünfergruppen einen Orientierungslauf im Ahrtal, der im Vorfeld sorgfältig von den Prüfer*innen geplant worden war. Die abwechslungsreiche Strecke führte über Felsgrate und durch die Ahr, wobei an verschiedenen Stationen Stempel gesammelt
wurden. Als Orientierung dienten uns ausschließlich ein Kompass, eine grobe Karte sowie rätselhafte Anweisungen. Trotz der Prüfungssituation kam der Spaß bei schönstem Sonnenschein nicht zu kurz. Jedoch machte sich im Anschluss an den Lauf bereits erste Aufregung wegen der bevorstehenden Ergebnisvergabe breit. Während manche sich die Wartezeit mit einem Eis am Stiel versüßten, lenkten sich andere mit Handstandübungen im Gras ab.

Auch wenn es am Ende der Sichtung wie üblich nur sechs Athletinnen in den Kader geschafft haben, wird die entstandene Touren-Börse allen Teilnehmenden der Sichtung ermöglichen, in Kontakt zu bleiben und gemeinsam Abenteuer in den Bergen zu planen. Denn über die vier Tage ist ein harmonisches Gruppengefühl entstanden, das mit Sicherheit über die Zeit der Sichtung hinaus Bestand haben wird. Ob beim Anfeuern während des Konditionslaufs, beim Sichern, der Weitergabe von Beta beim Klettern oder der wertschätzenden Kommunikation beim Orientierungslauf, wir haben als Gruppe agiert. Das Sichtungscamp war für uns daher kein Wettbewerb, sondern vielmehr ein Raum zum Freundschaften-knüpfen, Tourenpartnerinnen-finden sowie ein gegenseitiges Helfen, um individuell das Beste zeigen zu können.

Am Ende der Sichtung stehen die Athletinnen des Alpinkaders NRW 2025 – 2027 mit den Namen Albert Baumgärtner (Sektion Bonn), Max Hilger (Sektion Aachen), Fynn Müller (Sektion Wuppertal), Anne Nicolin (Sektion Rhein-Sieg), Marvin Schnell (Sektion Köln) und Dominik Schuler (Sektion Aachen) fest. Wir freuen uns auf drei spannende und lehrreiche Jahre, in denen wir als starkes Team zusammenwachsen. Wir danken jetzt schon unseren Trainerinnen, Sponsoren, Sektionen und allen anderen, die uns auf diesem Weg unterstützen.

Eure Athlet*innen des Alpinkader NRW

Mit einem großem Dankeschön für die Fotos an Sebastian Wolf

www.sebastianwolf.photo

2024 – Mt. Jenga, Indien, 5663m

Gipfelerfolg im Himalaya. Der 5663m hohe Gipfel wurde von seinen Erstbesteigern Matthias Mimberg, Lukas Hettler, Nils Beste und Eike Plazikowski Mount Jenga getauft.

Während der Abschluss Expedition im September 2024 nach Kisthwar/Jammu, Himalaya, Indien glückte dem DAV Alpinkader NRW die Erstbesteigung eines unbestiegenen Gipfels. Der 5663m hohe Gipfel wurde von seinen Erstbesteigern Matthias Mimberg, Lukas Hettler, Nils Beste und Eike Plazikowski „Mount Jenga“ getauft.

Die Bestätigung der Erstbesteigung erfolgte am 27. November 24 durch die IMF – Indien Mountain Foundation.

Den ausführlichen Expeditionsbericht findest du hier.

Mixedklettern-Lehrgang in Chamonix

Der letzte große Lehrgang zur Vorbereitung für die Abschluss-Expedition im September stand an. Der Plan war einfach: möglichst viel in unterschiedlichstem Gelände an den Feinheiten arbeiten. Dafür ging es für uns wieder einmal nach Chamonix.

Aufgrund des Wetters sind die Mehrtagestouren ausgefallen. Zunächst zuviel Wind und danach machte uns eine ganze Menge Neuschnee zu schaffen…

Nichtsdestotrotz kann man in Chamonix auch mit Tagestouren die Woche füllen, dafür ging es am ersten Tag hoch an den Grand Montets zum Mixedklettern. Die Verhältnisse waren top in der Voie Verte, nur sehr stürmisch wars. Aber was solls, auf Expedition kann man sich das Wetter auch nicht aussuchen.

Am nächsten Tag sollte es mit den Ski auf den Rücken über den Arête de Bochard gehen. Eigentlich keine allzu lange Tour, wären da nicht 30cm Neuschnee und null Sicht. Aber irgenwie haben wir uns dann nach ein paar Stunden doch hochgewühlt und eine spätere Bahn als gedacht erwischt. In der Mitte der Woche verbrachten wir einen Tag mit der genaueren Planung der Expedition. Aber vorher konnten wir uns die Pulverabfahrt durch die über Nacht gefallenen 30cm Schnee am Mer de Glace nicht entgehen lassen. Am Samstag ging es für uns wieder hoch zur Aguille du Midi. Traumwetter und ziemlich gute Bedingungen. Ein Team kletterte den Klassiker schlechthin, das Chéré-Couloir am Mont Blanc du Tacul. Das muss wirklich jeder einfach mal gemacht haben. Die anderen beiden Seilschaften waren an der Pointe Lachenal unterwegs und kletterten das Pellisier Colouir und die etwas kürzere aber schwerere Star Academixte.

Nun zu unserer Expedition: Nach einer solchen Vorbereitungswoche wird es natürlich auch in kombiniertes Gelände gehen und noch dazu hoch hinaus. Ziel ist der Kishtwar-Himalaya in Indien. Touren im Mixed Gelände sind das vorrangige Ziel, aber wir haben auch die Möglichkeit auf Grate oder Alpinklettern auszuweichen. Ende August geht es schon los, bis dahin steht noch viel Ausdauer-Training und weitere Routine in unbekannten Touren sammeln auf dem Plan.

Wir halten euch über die weiteren Planungen, unser Training und Touren hier und auf Instagram auf dem Laufenden!

Planlos im Chamonix

Migot Pfeiler

Anfang Juli ging es für ein paar von uns nach Chamonix. Geplant hatten wir nicht viel. Hauptsache das Beste aus Wetter, Zeit und den Bedingungen rausholen. Die ersten beiden sahen Tage gut aus. Also ging es hoch Richtung Aiguille du Chardonnet. Der Migot Pfeiler stand zur Akklimatisierung auf dem Zettel. Nach einer mehr oder weniger erholsamen Biwaknacht ging es glücklicherweise endlich um vier Uhr früh los. Nach einem kurzen Gletscherzustieg flogen im ersten Felsteil die Steine, auch wenn man noch so vorsichtig geklettert ist. Anschließend an eine 150 Meter hohe Firnflanke lief der zweite Mixed-Teil dafür umso besser und wir kamen zügig voran. Im Ausstieg aus der Eis/Schnee Flanke wurde man morgens schon regelrecht gebrutzelt. Am Gipfel ging der Blick über das ganze Mont Blanc Massiv. Kein alltäglicher Anblick! Der Abstieg ging gut voran nur dieses ewige Gelatsche nervt einfach.

Luxus Camp

Den nächsten Tag verbrachten wir damit zu Essen, zu diskutieren was wir als nächsten machen und dann wieder mit Essen. Die Entscheidung fiel auf den Frendo Pfeiler. Den will man ja irgendwie schon mal gemacht haben. Wir nahmen die letzte Bahn zur Plan de l‘Aiguille, bauten ein richtiges Luxus Camp auf und freuten uns auf den nächsten Tag. Natürlich zu früh, wie es immer so ist…Es fing in der Nacht unerwartet an zu schütten und das leider nicht zu wenig. Wir konnten uns minütlich gegenseitig aus den Zelten fluchen hören. Hilft ja alles nichts! Also Abbruch! Nach einer Nacht mit kaum Schlaf starteten wir rüber zur Turiner Hütte. Diese hatte nur noch in ihren alten Gebäude Schlafmöglichkeiten.


Vorsichtig umschrieben: es war urig.

Schlaf war aber eh nicht viel drin. Bei großzügiger Rechnung waren es aber bestimmt drei Stunden. Der Kuffnergrat war unser nächstes Ziel.

Lohnender Abschluss

Es ging also noch halb schlafend quer über den Gletscher Richtung Einstieg, wo es direkt zur Sache ging. Ein leicht überhängender Bergschrund musste überwunden werden. Sah dann aber doch schlimmer aus als es war. Am Grat ging es am laufenden Seil dann gut voran. Oben angekommen kam noch die Idee auf den Mont Blanc noch mitzunehmen, wenn man schonmal hier oben ist. Haben wir dann auch gemacht. Ist halt ein „bisschen“ länger und anstrengender geworden. Die letzten Meter zur Seilbahnstation der Midi rauf am Ende haben dann keinen Spaß mehr gemacht.

Kurz vorm Gipfel des Mont Maudits
Unterwegs am Kuffnergrat
steiler Start in den Kuffnergrat

Rückblickend hatten wir mal wieder eine super Zeit zusammen und trotz des Pechs mit dem Wetter ein paar echt coole Touren gemacht!

Nach dem Regen folgt Sonnenschein

Piz Palü und Piz Bernina – wenn man diese Namen hört, denkt man direkt an die Schweiz und weiß, es geht um ein paar ganz besondere Berge.

Und genau dort ging unser Sommerlehrgang hin. Themenschwerpunkt, na klar: Hochtouren – Die Paradedisziplin des Alpinismus. Als Seilschaft über Schnee und Eis bis oben auf den Gipfel! Aber vor der Tour ist meist erstmal Ausbildung angesagt. 

Piz Palü
Piz Cambrena

Ausnahmsweise trafen wir alle pünktlich sonntags am Campingplatz ein. Nun hieß es, Basislager einrichten, Pläne für die nächsten Tage zu schmieden, Rucksack packen. Für die ersten Beiden stand zunächst die Ausbildung am Gletscher im Vordergrund. Aber die Bedingungen vor Ort stellten sich schnell als sehr ernüchternd und schwierig heraus. Der Sommer 2022 ist leider kein guter Hochtouren Sommer weswegen wir die Planungen für die ganz großen Touren vom Verlauf und dem Wetter der nächsten Tage abhängig machten. 
Am Montag frischten wir die grundlegenden Techniken der Spaltenbergung auf und übten fleißig die Lose Rolle, die Selbstrettung und den Mannschaftszug. Gar nicht so leicht 100kg aus der Spalte zu wuchten dachte man sich bei dem ein oder anderen…

Spaltenbergung
Unterwegs am Gletscher

Für Dienstag sah die Wettervorhersage nicht gut aus, daher schenkten wir uns die Hüttenreservierung und schonten unser Budget. Wir gönnten uns stattdessen dekadent die Sauna am Campingplatz für den Abend. Doch die „Wellnessanwendung“ sollte verdient sein, den überwiegend trockenen Vormittag nutzen wir noch, um weitere Übungen und Vertiefungen durchzuführen. Übung macht den Meister.

Neuer Tag, neues Glück: mittwochs ging es dann wieder hoch zur Diavolezza. Der motivierte Teil von uns startete Mitten in der Nacht – also früh am Morgen – aus dem Tal und traf sich an der Bergstation mit dem nicht so ganz fitten Rest (Verletzungen und Co.). Dieser Rest schonte sich und sparte mit der Seilbahn einige Höhenmeter.
Geplant war der Piz Cambrena. Ein Berg der sein Dasein eher im Schatten des Piz Palü fristet und nicht so häufig begangen wird. Hier sollte es sogar die Variante über die Nord-Westkante und über die Schneekuppe werden. Zu unserer Freude bewahrheitete der Wetterbericht sich nicht und wir konnten im Abstieg die Überschreitung und eine wirklich wunderschöne Gratkletterei über den Piz d‘Arlas an die Tour dranhängen. Fertig von der schönen Tour, der ganzen Sonneneinstrahlung – Teils mit ordentlichem Sonnenbrand – blieben wir über Nacht im „Berghotel Diavolezza“. Dort erleichterten wir dann die Küche um jeden möglichen Nachschlag. 

Am nächsten Tag sollte es sehr früh losgehen. Unser Plan: den Piz Palü überschreiten. Der eine Teil des Teams hatte zunächst den Weg bis auf den Ostgipfel ins Auge gefasst. Überraschenderweise stand es dann aber um acht Uhr früh vor dem Rest der Gruppe auf dem Hauptgipfel und dachte nicht daran ohne die Überschreitung wieder abzusteigen.

Wir setzten die Überschreitung gemeinsam mit dem ganzen Kader fort. Durch die ein oder andere Ablenkung auf dem Abstieg etwas langsamer als geplant… Aber davon berichten vielleicht mal in einem anderem Rahmen. Naja, lustig war es trotzdem!

Über den ganzen Lehrgang hinweg wurden wir sportpsychologisch durch unsere neue Trainerin  Rowena betreut, was uns als Team nochmals bestärkt hat. Trotz einiger Hindernisse hatten wir rückblickend wieder mal eine erlebnisvolle und vor allem lehrreiche Woche. Und für die großen Touren die diesmal nicht geklappt haben, kommen definitiv nochmal wieder…

Pizza, Eis und Stirnlampen

Im Februar ging es für uns, den Alpinkader NRW, zum Eiskletterlehrgang nach Südtirol. Bei besten Bedingungen im Reintal sollten wir fit fürs Eis gemacht werden. 

Doch, bevor es richtig steil wurde, stand zunächst einmal die Lawinenkunde auf dem Plan. Nachdem uns Miri die theoretischen Hintergründe zum Thema Tourenplanung und Lawinenlagebericht nähergebracht hatte, ging es dann richtig los.

An einer Sonden-Bar, die sich bestimmt auch für das ein oder andere Kaltgetränk geeignet hätte, sollten wir anhand des Widerstandes der Sonde ertasten, was sich unterhalb der Schneedecke befindet. Gar nicht mal so leicht, den Unterschied zwischen einem Skihelm und einem Ski auszumachen. Als die Sonde dann aber auf einen deutlich weicheren Gegenstand gestoßen ist war uns klar, dass muss Dave sein, der sich da unter die Schneebar gemogelt hat. Nicht lange zögern, Schaufel in die Hand nehmen und los geht’s, denn im Ernstfall zählt hier jede Sekunde.

Beobachtet von einigen verdutzten Langläufern konnten wir Dave dann doch recht schnell freilegen und bergen. Auch wenn es uns vorher schon bewusst war, haben uns die Übungen doch sehr für das Thema sensibilisiert und uns erneut verdeutlicht, dass mit Lawinen absolut nicht zu spaßen ist.

Nach kurzer Erholung bei bestem Kaiserwetter ging es dann endlich zum Klettern. Im Eisklettergarten zeigte Bene uns verschiedenen Techniken im Eis. Neben Raupen- und Diagonaltechnik stand auch das Klettern mit nur einem Eisgerät auf dem Plan. Unsere Treffsicherheit konnten wir dann noch beim Bohren von Eissanduhren unter Beweis stellen.

Am nächsten Tag wurde es dann ernst. In 3er-Seilschaften ging es in die ersten richtigen Fälle. Ordentlich Meter machen war das angesagte Ziel. Motiviert möglichst viele Seillängen abzuhaken, endete der Abstieg dann mit Stirnlampe auf dem Kopf. Am Ende des Tages konnte jede Seilschaft die Fälle Jahrzahlwand, Magersucht und das benachbarte Couloir klettern.

Nun sollte es steiler werden. Am Donnerstag ging es in den Möselegraben in den Dolomiten. In dieser beeindruckenden Schlucht warteten steile Eissäulen und Vorhänge auf uns. Auch die ein oder andere Mixedtour konnten wir hier vorfinden. Begleitet wurden wir durch die ständigen Zurufe von Bene, nicht alles über die Oberarme zu regeln. Recht hat er, denn mit reiner Kraft kommt man beim Eisklettern nicht allzu weit. Gepumpt hat es auf jeden Fall ordentlich. Insgesamt konnten wir hier Fälle bis WI 5/ 5+ und Mixedrouten bis M6 klettern.

Mit ordentlichem Muskelkater und frisch geschärften Hauen starteten wir in den nächsten Tag. Am Freitag ging es für uns in alpine Touren. Eine Seilschaft kletterte beide Varianten des „Schwert des Damokles“, die andere Seilschaft stieg in die via Hruschka am Mu de Pisciadu ein.

In den engen Kaminen der via Hruschka hieß es dann Bauch einziehen. Auf sieben Seillängen warteten hier steile Passagen im besten Eis und schöne technische Mixedstellen auf uns. Wir kommen gut voran und stehen ohne größere Probleme am Stand der 7. Seillänge. Beim Abseilen über die Route passiert es dann. Shit, das Seil hängt und es geht nichts mehr. Nach einigen Abziehversuchen steht fest, hier hilft nur das erneute Aufsteigen am Seil. Prusikschlinge raus und hoch da. Nach einiger Zeit ist auch das Problem gelöst und wir seilen die restlichen Längen ab. Im Dunkeln treten wir nun den Fußweg zum Auto an.

Den letzten Tag in Südtirol verbringen wir in zwei Gruppen auf einer Skitour im Reintal und in Eis und Mixedrouten am Pederüeisfall. Geschafft, aber happy von einer anstrengenden Woche im Eis freuen wir uns auf die wohlverdiente Pizza am letzten Abend.